11. Ertragt dies alles geduldig

„Denn ich weiß, dass du gefangen warst; ja, … du hast dies alles geduldig ertragen, weil der Herr mit dir war; und nun weißt du, dass der Herr dich befreit hat.“ (Alma 38:4)

Die Genesung kommt nach und nach zustande

Elder David A. Bednar hat gesagt, dass sich die geistige Veränderung „nicht rasch oder auf einmal [vollzieht,] sondern sie ist ein fortlaufender Prozess – kein einmaliges Ereignis. Zeile um Zeile und Weisung um Weisung, allmählich und fast unmerklich werden unsere Beweggründe, unsere Gedanken, unsere Worte und unsere Taten in Einklang mit dem Willen Gottes gebracht. Dieser Abschnitt auf dem Weg zur Wandlung erfordert Zeit, Beharrlichkeit und Geduld.“ („Ihr müsst von neuem geboren werden“, Liahona, Mai 2007, Seite 21.) Genauso erfordert jegliche Änderung Energie und Ausdauer. Unser Angehöriger muss einen Prozess seelischer, geistiger und körperlicher Veränderung durchlaufen, und das erfordert Zeit und Geduld. 

In der Anleitung Verkündet mein Evangelium! heißt es über den Genesungsprozess:

„Zur Umkehr können seelische und körperliche Vorgänge gehören. Falsches Verhalten wird abgelegt, selbst wenn es bereits tief verwurzelt ist. Unerwünschtes Handeln wird durch zuträgliches, richtiges Verhalten ersetzt.

Umkehr und Genesung können daher länger dauern. Manchmal geben [Menschen] auf ihrem Weg zu mehr Selbstbeherrschung trotz der besten Vorsätze noch der Versuchung nach. …

Durch Taufe und Konfirmierung empfängt man die Gabe des Heiligen Geistes. Sie verleiht Kraft, mit solchen Herausforderungen fertigzuwerden. Doch Taufe und Konfirmierung nehmen einem vielleicht nicht zur Gänze das seelische und körperliche Verlangen, das mit diesen Verhaltensweisen einhergeht. Jemand mag anfangs Erfolg haben, doch vielleicht muss er seelisch noch weiter genesen, um ganz umzukehren und heil zu werden.“ (Seite 218.)

  • Wie können diese Wahrheiten über Umkehr und Genesung sich auf Ihre Bemühungen, die Genesung Ihres Angehörigen zu unterstützen, auswirken?

Wie man auf einen Rückfall richtig reagiert 

Man spricht von einem Rückfall, wenn jemand wieder schlechte Entscheidungen trifft, nachdem er schon auf dem Weg zur Genesung war. Rückfälle kommen häufig vor und reichen von einem einzigen Vorfall bis hin zur völligen Rückkehr in frühere Verhaltensmuster. Da so viele einen Rückfall erleiden, könnte manch einer meinen, dass das zum Genesungsprozess dazugehört, solange der Abhängige sein Bestes gibt. Es ist jedoch wichtig, zu bedenken, dass ein Rückfall nicht Bestandteil des Genesungsprozesses ist. Wir müssen aufpassen, dass wir es nicht billigen, wenn unser Angehöriger sich für seine schlechten Entscheidungen rechtfertigt. Chronische Rückfälle weisen darauf hin, dass er noch nicht vollständig genesen ist. Das kann bedeuten, dass unser Angehöriger sich mehr anstrengen muss und eine intensivere Behandlung braucht. Vielleicht müssen wir ihm zusätzliche Grenzen setzen. Wenn unser Angehöriger herunterzuspielen versucht, wie schwerwiegend ein Rückfall ist, kann ihm die klare und ehrliche Darlegung unserer Sichtweise deutlich machen, dass er sich etwas vormacht und zusätzliche Hilfe braucht. 

Wenn der Mensch, der uns nahesteht, einen Rückfall erleidet, überkommen uns möglicherweise Hoffnungslosigkeit, Zweifel, Minderwertigkeitsgefühle und Wut. Diese Gefühle können stark sein und mitunter sogar erdrückend. Selbst wenn es sich für uns um ein bekanntes Problem handelt, kann der Schmerz frisch und stark sein. Es kann sogar vorkommen, dass die Hoffnungslosigkeit und der Schmerz noch verstärkt werden, wenn unser Angehöriger nach einer lang anhaltenden Genesungsphase wieder rückfällig wird. Es gehört zu unserem Heilungsprozess, dass wir lernen, mit dem Schmerz, der uns überkommt, wenn unser Angehöriger schlechte Entscheidungen trifft, umzugehen und ihn zu überwinden. Für unser Wohl können wir uns die bisher gelernten Bewältigungsstrategien und die von uns gesetzten Grenzen zunutze machen und auf dieser Grundlage aufbauen. Wir können uns auch um diejenigen kümmern, die uns liebhaben und uns unterstützen. Wir können von ganzem Herzen darauf vertrauen, dass der Herr uns unsere Lasten abnimmt und uns seinen Frieden gibt. Die Rückfälle des Menschen, den wir liebhaben, müssen aufgrund unserer Beziehung zum Erretter Jesus Christus keine Verzweiflung in uns auslösen.

Es ist wichtig, angemessen auf die Rückfälle des Angehörigen zu reagieren, und zwar nicht nur zugunsten unserer eigenen Heilung, sondern auch um seiner Genesung willen. Wenn wir sein Verhalten ermöglichen oder es ignorieren, kann das dazu führen, dass er an seinem Verhalten festhält und wir noch mehr leiden. Unser Angehöriger muss begreifen, dass wir ihn lieben, aber weitere schlechte Entscheidungen und Ausreden nicht dulden können. Wir können liebevoll, aber ehrlich auf einen Rückfall und entsprechende Rechtfertigungen reagieren, damit ihm klar wird, wie sein Verhalten uns und ihm selbst schadet. Wir können andere mit „ungeheuchelter Liebe“ (LuB 121:41) unterstützen, andererseits aber auch unmissverständlich klarmachen, dass wir das Verhalten missbilligen, „wenn vom Heiligen Geist dazu bewegt; und danach demjenigen, den [wir] zurechtgewiesen [haben], vermehrte Liebe [erweisen]“ (LuB 121:43).

  • Wie hat Gott Ihnen schon geholfen, mit Rückfällen Ihres Angehörigen zurechtzukommen?

  • Wie können Sie in geeigneter Weise auf einen Rückfall reagieren?

Helfen wir unserem Angehörigen, den Rückfall durchzustehen

Zwar versuchen einige Suchtkranke, ihren Rückfall zu rechtfertigen, doch manch einer verliert stattdessen den Mut, gibt auf und nimmt fälschlicherweise an, dass dies seine ganze bisherige Genesung zunichtegemacht hätte. Doch ein Rückfall macht nicht alles zunichte, was er sich in Richtung auf die Genesung schon erarbeitet hat. Es kann immer noch Fortschritt in anderer Hinsicht geben, beispielsweise darin, wie ehrlich er seine Probleme zugibt oder wie häufig oder wie ausgeprägt seine Rückfalle sind. Unser Angehöriger muss aus seinen Fehlern lernen, sie korrigieren und vorwärtsstreben. Dabei braucht er unbedingt unsere Ermutigung und Unterstützung. Es ist wichtig für unseren Angehörigen, dass wir seinen Fortschritt anerkennen und ihm auf dem Weg zur Genesung beistehen. Auch wenn wir nicht erkennen können, ob er vollständig umgekehrt ist oder nicht, können wir ihm doch bezeugen, dass der Herr ihm vergeben möchte und es immer noch Hoffnung gibt. Außerdem können wir ihm ans Herz legen, mit seinen Führungsbeamten, mit Beratern und mit anderen zusammenzuarbeiten, die ihm am besten helfen können. Wer demütig ist und Glauben an Jesus Christus ausübt, kann es schaffen, wirklich zu genesen, wenn er weiterhin daran arbeitet, seine Herausforderungen zu meistern, und dauerhafte Änderungen in seinem Leben vornimmt.

  • Wie können Sie den Menschen, der Ihnen nahesteht, während eines Rückfalls unterstützen?

Schriftstudium

Überlegen Sie gebeterfüllt, wie Sie die in den unten aufgeführten Hilfen vermittelten Grundsätze anwenden können. 

Ezechiel 3:21; Epheser 6:18; Lehre und Bündnisse 88:81 (unsere Warnungen können unseren Angehörigen stärken)

Lehre und Bündnisse 121:8 (wenn wir in Bedrängnissen gut ausharren, wird Gott uns erhöhen)

David A. Bednar, „Wachsam sein und ausharren“, Liahona, Mai 2010, Seite 40–43

Craig A. Cardon, „Der Heiland möchte vergeben“, Liahona, Mai 2013, Seite 15ff.

James E. Faust, „Die Kraft, sich zu ändern“, Liahona, November 2007, Seite 122ff.

Dieter F. Uchtdorf, „In Geduld fortfahren“, Liahona, Mai 2010, Seite 56–59

„Umkehr und Befreiung von Suchtverhalten“, „Freunden der Kirche und Neubekehrten verständlich machen, wie man umkehrt und von einer Sucht loskommt“ und „Ein Plan, wie man Suchtverhalten überwinden kann“ in der Anleitung Verkündet mein Evangelium! , Seite 218ff.

Video: In Geduld fortfahren

Lernen und umsetzen

Die folgenden Vorschläge sollen Ihnen das Lernen erleichtern und Ihnen helfen, diese Grundsätze umzusetzen. Führen Sie Tagebuch und tragen Sie darin Ihre Gedanken, Gefühle, Erkenntnisse und Pläne ein, wie Sie das Gelernte zur Anwendung bringen wollen. Da Ihre Bedürfnisse und Lebensumstände sich ändern können, kann Ihnen einiges noch klarer werden, wenn Sie diese Anregungen immer wieder aufgreifen.

  • Befassen Sie sich mit der Ansprache „Die Kraft, sich zu ändern“ von Präsident James E. Faust sowie mit den Abschnitten „Umkehr und Befreiung von Suchtverhalten“, „Freunden der Kirche und Neubekehrten verständlich machen, wie man umkehrt und von einer Sucht loskommt“ und „Ein Plan, wie man Suchtverhalten überwinden kann“ (Seite 218ff.) in der Anleitung Verkündet mein Evangelium!. Was lernen Sie daraus über den Genesungsprozess? Was erwarten Sie hinsichtlich der Genesung Ihres Angehörigen? Wie können Sie ihm während eines Rückfalls und danach helfen, der Genesung dennoch näherzukommen?

  • Befassen Sie sich mit der Ansprache „In Geduld fortfahren“ von Präsident Dieter F. Uchtdorf oder sehen Sie sich das gleichnamige Video an. Warum ist es wichtig, dass sowohl Sie als auch Ihr Angehöriger während des Genesungsprozesses geduldig sind? Wie kann Ihnen der Herr dabei helfen? Was lernen Sie aus Präsident Uchtdorfs Worten darüber, wie man angemessen auf einen Rückfall reagiert?

  • Befassen Sie sich mit der Ansprache „Wachsam sein und ausharren“ von Elder David A. Bednar. Was hat Elder Bednar gesagt, wodurch Sie und Ihr Angehöriger besser auf die Anzeichen für einen möglichen Rückfall achten können? Worin hat Ihr Angehöriger um Hilfe gebeten? Was werden Sie tun, um besser zusammenzuarbeiten und einander mehr zu helfen?

  • Bearbeiten Sie die nachfolgende Aufgabe in der Anleitung Verkündet mein Evangelium! (Seite 220) und überlegen Sie sich, was Ihr Angehöriger wohl erlebt, während er sich um Genesung bemüht: „Denken Sie an eine Ihrer Gewohnheiten – etwas, was Sie häufig tun, ohne darüber nachzudenken, beispielsweise mit den Fingergelenken knacken, die Brille zurechtrücken, zu viel essen oder zu lange schlafen. Dann versuchen Sie, es einen Tag lang nicht zu tun. Klappt es, versuchen Sie es eine Woche lang.“ Stellen Sie sich vor, wie viel schwerer es wohl für Ihren Angehörigen ist, sein zwanghaftes Verhalten in den Griff zu bekommen, als es für Sie ist, eine schlechte, aber nicht abhängig machende Gewohnheit abzulegen? Inwiefern können Sie, nachdem Sie diese Erfahrung gemacht haben, Ihren Angehörigen besser bei seiner Genesung unterstützen? Schreiben Sie in Ihr Tagebuch, wie Sie diese Übung erlebt haben.

  • Überlegen Sie, welche Grundsätze aus diesen Liedern hervorgehen: „Blickt auf den Herrn!“ (Gesangbuch, Nr. 45); „In Demut“ (Gesangbuch, Nr. 78); „When Faith Endures“ (Hymns, Nr. 128) 

Anleitung zur Unterstützung von Ehepartnern und weiteren mitbetroffenen Angehörigen

Ehepartner und Angehörige

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