5. Erarbeiten wir uns die eigene Errettung

„Zweifelt nicht, sondern seid gläubig und fangt wie in alten Zeiten an und kommt zum Herrn mit eurem ganzen Herzen, und erarbeitet eure eigene Errettung mit Furcht und Zittern vor ihm.“ (Mormon 9:27)

Akzeptieren wir, dass wir unsere Lieben nicht kontrollieren oder sie von ihrer Sucht heilen können

Unser Angehöriger, der in einer Abhängigkeit gefangen ist, trifft oft falsche Entscheidungen, und infolgedessen muss er möglicherweise sehr leiden. Es ist schwer, das mit ansehen zu müssen und nichts dagegen tun zu können. Wir haben vielleicht das Gefühl, dass sich erst etwas bessern wird, wenn wir einschreiten und die Sache in Ordnung bringen. Wir mögen bemüht sein, den geliebten Menschen zu überreden, Argumente anzuführen, mit ihm zu verhandeln, ihn zu bestrafen, zu manipulieren oder zu beschämen, damit er sich nur ja in Richtung Genesung bewegt. Diese Vorstöße können eine Weile wirksam erscheinen, doch letztendlich reichen sie nicht aus. Die Erfahrung hat gezeigt, dass der Versuch, Kontrolle über einen anderen auszuüben, nur zu Spannungen, Angst und Verbitterung führt. Elder Richard G. Scott gab dazu diesen Rat: „Versuchen Sie nicht, sich über die Entscheidungsfreiheit anderer hinwegzusetzen. Das würde selbst der Herr nicht tun. Erzwungener Gehorsam bringt keinen Segen.“ („Einem geliebten Menschen in Not helfen“, ursprünglich erschienen als "To Help a Loved One in Need", Ensign, Mai 1988, Seite 60.)

Es ist ganz natürlich, dass wir uns wünschen, unser Angehöriger möge die heilende Macht des Sühnopfers Jesu Christi erfahren, und so bemühen wir uns, ihm zu helfen, wo wir nur können. Wir müssen aber begreifen, dass wir ihn nicht erretten können. Wenn wir versuchen, ihn vor den Folgen seiner falschen Entscheidungen zu bewahren, maßen wir uns widerrechtlich die Rolle des Erretters und Erlösers an. Einiges, was wir seinetwegen versuchen und vorhaben, kann sogar dazu führen, dass er sich dem Erlöser erst recht nicht zuwendet. Damit der Herr ihn heilen kann, muss er selbst Glauben ausüben und die Gebote befolgen. Wir können ihm das nicht abnehmen. Der Heiland fragt: „Wollt ihr nicht jetzt zu mir zurückkommen und von euren Sünden umkehren und euch bekehren, damit ich euch heile?“ (3 Nephi 9:13.) Jeder muss sich selbst dafür entscheiden, zum Erlöser zu kommen. Wenn jemand mit einer Sucht zu kämpfen hat, kann nur er sich dazu entscheiden, zu tun, was nötig ist, um Heilung zu finden.

  • Wie kann der Wunsch, unseren Angehörigen zu unterstützen, wohl in den Versuch umschlagen, sich über die Entscheidungsfreiheit des anderen hinwegzusetzen?

Konzentrieren wir uns auf unsere Heilung

Ein Hauptantrieb dafür, Hilfe zu suchen, kann sein, dass man besser verstehen möchte, wie man dem anderen helfen kann. Wir glauben oder erwarten vielleicht, dass die Genesung des Betreffenden auch uns Heilung bringt. Wir gelangen an einen entscheidenden Wendepunkt, wenn uns klar wird, dass wir uns auf unsere eigene Heilung konzentrieren müssen. Das heißt nicht etwa, dass wir aufhören, den geliebten Menschen zu unterstützen oder seine Genesung zu wünschen. Vielmehr erkennen wir, dass unser eigener Frieden, unsere eigene Heilung für uns an erster Stelle kommen. Die Sucht des Menschen, den wir lieb haben, beeinträchtigt nicht, dass wir selbst zum Heiland kommen. Der Herr lädt uns ein, ungeachtet unserer Lebensumstände zu ihm zu kommen: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.“ (Matthäus 11:28-30.)

  • Wie werden Sie sich darauf konzentrieren, selbst Frieden und Heilung zu finden?

 

Kümmern wir uns um uns selbst

Ein wichtiger Aspekt unserer Heilung besteht darin, dass wir uns die Zeit dafür nehmen, ins Gleichgewicht zu kommen und uns um uns selbst zu kümmern. Wenn wir nicht aufpassen, kann es passieren, dass die Sucht des Angehörigen und alles, was damit verbunden ist, uns völlig aufzehrt oder dazu führt, dass wir unser eigenes Wohlergehen vernachlässigen. Der Herr bittet uns, in allem „maßvoll“ zu sein (Alma 7:23) und nicht schneller zu laufen, als wir Kraft haben (siehe Mosia 4:27). Wir müssen darauf achten, dass unsere eigenen Bedürfnisse erfüllt werden. So können wir unseren Angehörigen und andere Menschen in unserem Umfeld besser unterstützen. Präsident Marion G. Romney hat gesagt:

„Wenn man nicht auf eigenen Füßen steht, kann man das angeborene Verlangen zu dienen nicht erfüllen. Wie können wir etwas geben, wenn nichts da ist? Das Essen für einen Hungrigen kann nicht aus einem leeren Regal genommen werden. Geld zur Unterstützung eines Bedürftigen kann nicht aus einem leeren Geldbeutel genommen werden. Unterstützung und Verständnis können von niemandem kommen, dessen Seele Hunger leidet. Unterweisung kann von niemandem kommen, der nichts gelernt hat. Und vor allem kann geistige Führung von niemandem kommen, der geistig schwach ist. … Es gibt eine Wechselbeziehung zwischen dem, der hat, und dem, der nichts hat. … Ist jemand erst einmal wiederhergestellt oder selbständig, reicht er anderen die helfende Hand, und der Kreislauf beginnt wieder von vorn.“ („The Celestial Nature of Self-Reliance“, Ensign, November 1982, Seite 93; vgl. „Eigenständigkeit – ein celestialer Grundsatz“, Liahona, März 2009.) Wir bemühen uns, in körperlicher, seelischer und geistiger Hinsicht für uns selbst zu sorgen, damit wir unseren Mitmenschen helfen und ihnen Gutes tun können.

  • Was werden Sie konkret tun, um in körperlicher, seelischer und geistiger Hinsicht für sich selbst zu sorgen?

  • Inwiefern werden Sie befähigt, Ihrem Angehörigen zu helfen, wenn Sie sich um sich selbst kümmern?

 

Sucht verstehen

Wenn wir uns zum Thema Abhängigkeit sachkundig machen, können wir das Verhalten des geliebten Menschen besser verstehen. Der Herr hat uns geraten: „Sucht Worte der Weisheit aus den besten Büchern; trachtet nach Wissen, ja, durch Lerneifer und auch durch Glauben.“ (LuB 88:118.) Es gibt viel, was man über Sucht und Genesung in Erfahrung bringen kann und auch darüber, was man tun kann, um sich selbst und dem betreffenden Angehörigen zu helfen. Eine Möglichkeit, Antworten zu finden, besteht darin, sich anzuhören, wie andere Angehörige von Suchtkranken mit der Situation umgehen. So fühlt man sich bestätigt und nicht so allein. Es gibt auch viel evangeliumsbezogenes Material, das ebenfalls nützlich sein kann, darunter die heiligen Schriften, Worte der Propheten und anderer Führer der Kirche, das Genesungsprogramm für Suchtkranke (arp.lds.org), die Website (PornografieÜberwinden.org), Artikel auf LDS.org, Vorlesungen im Rahmen der Bildungswoche der Brigham-Young-Universität und vieles mehr. Wenn man weiß, womit man im Fall einer Sucht rechnen muss, kann man sich und seinem Angehörigen besser helfen.

  • Inwiefern hat es Ihnen schon geholfen, dass Sie sich bemühen, das Thema Sucht besser zu verstehen?

Schriftstudium

Denken Sie gebeterfüllt darüber nach, ob Sie die folgenden Quellen in Ihr persönliches Studium einbeziehen möchten.

Jeremia 17:14 (der Herr wird uns heilen)

Mosia 4:27 (alles soll in Weisheit und Ordnung geschehen)

3 Nephi 9:13 (der Erlöser wird uns heilen, wenn wir zu ihm kommen)

Lehre und Bündnisse 88:119 (errichtet ein Haus der Ordnung)

M. Russell Ballard, „Die Anforderungen, die das Leben stellt, im Gleichgewicht halten“, ursprünglich erschienen als „Keeping Life's Demands in Balance“, Ensign, May 1987, Seite 13–16

Donald L. Hallstrom, „Ein ausgewogenes Leben führen“, ursprünglich erschienen als „Seeking a Balanced Life“, Ensign, August 2003, Seite 52–57

„Prioritäten und Ausgewogenheit“, Die ewige Ehe – Leitfaden für den Schüler, Bildungswesen der Kirche, 2003, Seite 286–294

 

Lernen und umsetzen

Die folgenden Vorschläge sind für das persönliche Studium gedacht und sollen Ihnen das Lernen erleichtern und Ihnen helfen, das Gelernte anzuwenden. Führen Sie Tagebuch und tragen Sie darin Ihre Gedanken, Gefühle, Erkenntnisse und Pläne ein, wie Sie das Gelernte umsetzen wollen. Da Ihre Bedürfnisse und Lebensumstände im Fluss sind, kann Ihnen einiges noch klarer werden, wenn Sie diese Anregungen immer wieder aufgreifen.

  • Lesen Sie die Ansprache „Die Anforderungen, die das Leben stellt, im Gleichgewicht halten“ von Elder M. Russell Ballard und die Ansprache „Ein ausgewogenes Leben führen“ von Elder Donald L. Hallstrom. Was haben Sie daraus gelernt? Welche Bereiche in Ihrem Leben sind Ihrer Meinung nach ausgewogen und welche unausgewogen? Welche Priorität hat Ihre eigene Heilung für Sie?

  • Überlegen Sie einmal, wie viel körperliche, geistige und seelische Kraft Sie schon in die Sucht des geliebten Menschen gesteckt haben. Lesen Sie Mosia 4:27 und denken Sie darüber nach. Sind Sie der Meinung, dass Sie in Bezug auf Ihren Angehörigen und seine Sucht in allem „in Weisheit und Ordnung“ vorgehen? Vielleicht wollen Sie einen Plan aufstellen, wie Sie vorgehen wollen, damit ihr Leben gut ausgewogen bleibt.

  • Lesen Sie das Kapitel „Prioritäten und Ausgewogenheit“ im Schülerleitfaden Die ewige Ehe und denken Sie darüber nach. Was haben Sie daraus über Ausgewogenheit und Prioritäten gelernt? Warum ist es wichtig, dass Sie sich um Ihre eigene Heilung bemühen? Was hat Sie bisher davon abgehalten oder hält sie zurzeit ab, zu Christus zu kommen, um geheilt zu werden?

Anleitung zur Unterstützung von Ehepartnern und anderen Angehörigen

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