6. Einer trage des anderen Last

„Da ihr den Wunsch habt, in die Herde Gottes zu kommen und sein Volk genannt zu werden, und willens seid, einer des anderen Last zu tragen, damit sie leicht sei, ja, und willens seid, mit den Trauernden zu trauern, ja, und diejenigen zu trösten, die des Trostes bedürfen.“ (Mosia 18:8,9)

Holen wir uns von anderen Hilfe

Natürlich verlassen wir uns auf den Herrn; zusätzlich kann es aber auch helfen, sich von anderen Unterstützung zu holen, wenn wir mit der Sucht eines Angehörigen konfrontiert sind. Wir müssen nicht allein leiden. Präsident Henry B. Eyring hat gesagt: „Wir werden alle geprüft. Und wir brauchen alle wahre Freunde, die uns lieben und uns zuhören, uns den Weg weisen und uns von der Wahrheit Zeugnis geben, damit wir den Heiligen Geist als Begleiter behalten.“ („Wahre Freunde“, Liahona, Juli 2002, Seite 29.) Anderen zu erzählen, womit man zu kämpfen hat, kann unangenehm sein und einen verletzbar machen. Viele von uns haben Angst oder schämen sich angesichts der Sucht eines Angehörigen und wollen nicht, dass andere davon erfahren. Wir befürchten vielleicht, dass andere uns oder den geliebten Menschen verurteilen könnten. Derjenige, der mit einer Sucht zu kämpfen hat, bittet uns vielleicht darum, niemandem davon zu erzählen, auch nicht den Führern in der Kirche. Es ist aber in Ordnung und wichtig, um die Hilfe zu bitten, die wir brauchen oder uns wünschen.

Der Herr wird uns führen, sodass wir die nötige Unterstützung finden. „Denn ich bin der Herr, dein Gott, der deine rechte Hand ergreift und der zu dir sagt: Fürchte dich nicht, ich werde dir helfen.“ (Jesaja 41:13.) Er hat verheißen, dass er „dich an der Hand führen und dir auf deine Gebete Antwort geben“ wird (LuB 112:10). Präsident Spencer W. Kimball hat erklärt, wie Gott unsere Gebete erhört: „Gott sieht uns, und er wacht über uns. Was wir brauchen, gibt er uns aber normalerweise durch andere Menschen.“ (Lehren der Präsidenten der Kirche: Spencer W. Kimball, Seite 96.) Gott hat uns schon Menschen gesandt, die uns helfen und uns in unseren Prüfungen beistehen, und er wird es auch weiterhin tun.

  • Wobei brauchen Sie Hilfe?

  • Wie wollen Sie andere um Unterstützung bitten?

 

Wie man die richtige Unterstützung findet

Wir machen vielleicht nicht immer positive Erfahrungen, wenn wir uns an andere wenden. Jemand mag uns zwar Liebe entgegenbringen, er kann aber auch falsch informiert oder irregeleitet oder einfach nicht in der Lage sein zu helfen. Eine schlechte Erfahrung sollte uns aber nicht davon abhalten, die Unterstützung zu suchen, die wir brauchen. Es ist wichtig, abzuwägen, woher man die passende Hilfe erhalten könnte, wann und wie man mit anderen über persönliche Probleme sprechen sollte und wie man klug entscheidet, was man anderen unbesorgt erzählen könnte. Hier einige Fragen, die zu berücksichtigen sind: Kann mir derjenige, mit dem ich gerade spreche, wirklich helfen? Hat er meine Interessen und die meiner Angehörigen im Sinn? Wird er die Informationen vertraulich behandeln und unvoreingenommen sein? Besitzt er genug Reife und kann mit den Informationen umgehen oder würden sie ihm eher schaden?

  • Was hindert Sie daran, sich Hilfe zu holen?

  • Bei wem haben Sie das Gefühl, sie sollten ihn um Unterstützung bitten?

Woher wir Hilfe erhalten können

Familie

Unsere Familienangehörigen sind in der Lage, uns enorm zu unterstützen und uns viel Liebe entgegenzubringen. Der Herr hat uns unter anderem deshalb eine Familie gegeben, damit wir jemanden haben, der uns zuhört und für uns da ist, wenn wir das Gefühl haben, dass es sonst niemanden gibt. Von vertrauten Angehörigen können wir die Bestätigung und Unterstützung bekommen, die wir brauchen, um uns unseren Herausforderungen weiterhin entschlossen zu stellen.

Freunde

Wahre Freunde stehen uns in schwierigen Zeiten bei. Sie hören sich unsere Probleme und wie wir diese erleben verständnisvoll und liebevoll an. Sie haben vielleicht Ideen und Anregungen, auf die wir noch gar nicht gekommen sind. Wahre Freunde sagen uns auch dann die Wahrheit, wenn sie unangenehm ist, und sie respektieren unsere Entscheidungsfreiheit und schreiben uns nicht vor, wie wir zu leben haben.

Priestertums- und FHV-Führungsbeamte

Die Führungsbeamten im Priestertum und in der FHV sind durch Offenbarung und das Händeauflegen derer, die Vollmacht haben, berufen worden (siehe 5. Glaubensartikel). Als Stellvertreter des Herrn können sie „ihre Zeit, ihre Fähigkeiten, ihre Talente und das gläubige Gebet“ einsetzen, „um anderen zu helfen“ und „geistig und seelisch Unterstützung“ zu geben (Handbuch 2: Die Kirche führen und verwalten, 2010, 9.6.2). Unser liebevoller Vater im Himmel lässt unseren Führungsbeamten Weisung und Führung in Bezug auf uns zukommen. Der Bischof hat die Priestertumsschlüssel und die Macht Gottes inne, uns zu segnen. Wenn Sie mit einem Führungsbeamten der Kirche sprechen, denken Sie daran, dass nicht jeder gleich gut über das Thema Sucht Bescheid weiß und Sie ihm vielleicht erst vor Augen führen müssen, was Sie gerade durchmachen.

Berater

Wer selbst Erfahrungen mit einem Angehörigen gemacht hat, der mit einer Sucht zu kämpfen hat, kann möglicherweise wertvolle Erkenntnisse und Orientierungshilfen vermitteln. Nicht alles, was bei seinem Angehörigen funktioniert hat, wird auch auf uns anwendbar sein, und doch können wir aus seiner Erfahrung lernen. Die Erfahrung und das Verständnis eines solchen Menschen können uns zu tieferem Frieden verhelfen und unsere Heilung fördern.

Selbsthilfegruppen

Die Selbsthilfegruppen der Kirche für Ehepartner und Angehörige sind kostenlos und bieten einen vertraulichen Rahmen, in dem sich Menschen treffen, um über ihren Glauben und ihre Hoffnung zu sprechen. Einen sicheren Ort zu haben, wo man offen und ehrlich mit anderen, die einen verstehen oder Ähnliches durchmachen, über seine Gefühle sprechen kann, ist ein großer Segen. Wenn bei Ihnen keine solchen Selbsthilfegruppen der Kirche existieren, gibt es vielleicht andere geeignete Gruppen in Ihrer Gegend, bei denen Hilfestellung angeboten wird, die mit den Evangeliumsgrundsätzen im Einklang steht, und denen Sie sich anschließen können.

Professionelle Hilfe

Viele von uns stehen vor beachtlichen seelischen Herausforderungen, wenn sie sich um Frieden und Heilung bemühen. Wo Psychotherapie angeboten wird, kann uns ein einfühlsamer Therapeut, der die Evangeliumsgrundsätze gutheißt, helfen, uns allen noch ungelösten Problemen zu stellen und sie mit neuem Mut zu betrachten. Nicht jeder braucht eine Therapie, es kann aber eine nützliche Möglichkeit sein, die wir in Betracht ziehen sollten, wenn wir uns darum bemühen, letztendlich Frieden und Heilung durch den Erlöser zu finden. Der Bischof und die anderen Führungsbeamten haben Zugang zu entsprechenden Quellen, sodass sie es uns erleichtern können, professionelle Hilfe zu finden.

  • Welche Formen der Unterstützung haben für Sie am meisten bewirkt?

  • Welche Form der Unterstützung wäre im Augenblick wohl am effektivsten?

  • Wie können Sie für andere, die ähnliche Schwierigkeiten durchmachen, eine Stütze sein?

Schriftstudium

Denken Sie gebeterfüllt darüber nach, ob Sie die folgenden Quellen in Ihr persönliches Studium einbeziehen möchten.

1 Samuel 20:16,17 (unsere Freunde unterstützen uns und haben uns lieb)

Mosia 24:13–15 (Gott hilft uns in unseren Bedrängnissen)

Lehre und Bündnisse 81:5 (der Herr bittet andere, uns zu helfen)

Lehre und Bündnisse 121:9 (unsere Freunde haben uns lieb und unterstützen uns)

Henry B. Eyring, „Wahre Freunde“, Liahona, Juli 2002, Seite 29–32

James E. Faust, „Geläutert durch Bedrängnis“, Liahona, Februar 2006, Seite 2–7

Ronald A. Rasband, „Besondere Lektionen“, Liahona, Mai 2012, Seite 80ff.

„Unterstützung bei der Genesung“PornografieÜberwinden.org

 

Lernen und umsetzen

Die folgenden Vorschläge sollen Ihnen das Lernen erleichtern und Ihnen helfen, das Gelernte anzuwenden. Führen Sie Tagebuch und tragen Sie darin Ihre Gedanken, Gefühle, Erkenntnisse und Pläne ein, wie Sie das Gelernte umsetzen wollen. Da Ihre Bedürfnisse und Lebensumstände im Fluss sind, kann Ihnen einiges noch klarer werden, wenn Sie diese Anregungen immer wieder aufgreifen.

  • Lesen Sie die oben angegebenen Schriftstellen und befassen Sie sich eingehend damit. Was haben Sie dabei erkannt? Wer könnte Ihnen beistehen und Sie unterstützen? Welche Art Unterstützung brauchen Sie von den Betreffenden?

  • Lesen Sie das folgende Zitat von Präsident James E. Faust und denken Sie darüber nach: „Wir können andere um Hilfe bitten. Aber an wen können wir uns wenden? Elder Orson F. Whitney (1855–1931) vom Kollegium der Zwölf Apostel hat diese Frage gestellt und folgende Antwort darauf gegeben: ‚Bei wem finden wir in Zeiten der Not und des Kummers Hilfe und Trost? … Bei Männern und Frauen, die gelitten haben, und aus ihrer leidvollen Erfahrung schöpfen sie reiches Mitgefühl und Trost zum Segen für diejenigen, die im Augenblick darauf angewiesen sind. Könnten sie das auch, wenn sie nicht selbst gelitten hätten?‘“ („Geläutert durch Bedrängnis“, Liahona, Februar 2006, Seite 5.) Inwiefern kann jemand, der Ähnliches durchgemacht hat, Ihnen helfen? Kennen Sie so jemanden, an den Sie sich wenden könnten? Sie können auch die örtlichen Führer der Kirche – Ihren Bischof, den Kollegiumspräsidenten oder die FHV-Leiterin – bitten, Sie an jemanden zu verweisen, der ähnliche Probleme überwunden hat.

  • Befassen Sie sich mit der Ansprache „Wahre Freunde“ von Präsident Henry B. Eyring und der Ansprache „Besondere Lektionen“ von Elder Ronald A. Rasband. Welche Grundsätze haben Sie daraus entnommen? Wie kann Ihnen Unterstützung von anderen helfen? Welche Menschen oder Anlaufpunkte, bei denen Sie Hilfe erhalten könnten, gibt es in Ihrer Reichweite? Was sollten Sie Ihrem Eindruck nach tun?

  • Denken Sie über die Grundsätze in diesen Liedern nach: „Herr, ich will folgen dir“ (Gesangbuch, Nr. 148), „Weil mir so viel gegeben ist“ (Gesangbuch, Nr. 147).

Anleitung zur Unterstützung von Ehepartnern und anderen Angehörigen

Ehepartner und Angehörige

Wählen Sie einen Abschnitt aus
Einleitung
1234
5678
9101112