Gemeinsam gegen die Sucht

*Candices Geschichte


Ein Paar hält sich an den Händen.

Zwar wusste ich bereits vor unserer Heirat von der Pornografiesucht meines Mannes, hätte aber nie gedacht, wie groß die Auswirkungen auf jeden Bereich unseres gemeinsamen Lebens sein würden.

Geht eine Pornografiesucht mit einer Besessenheit für Computerspiele und mit Arbeitslosigkeit einher, folgt daraus beinahe zwangsläufig, dass man unglücklich ist. Im zweiten Jahr unserer Ehe war ich am Tiefpunkt angelangt. Die meiste Zeit des Tages verbrachte ich im Zimmer unseres Neugeborenen im Schaukelstuhl, hielt ihn im Arm, starrte aus dem Fenster und weinte. Ich beschloss, dass dieses Unglück ein Ende finden müsse. Also dachte ich daran, mich scheiden zu lassen. Ich war bereit, diesen Weg zu beschreiten, hatte jedoch das Gefühl, ich solle zunächst mit dem Bischof sprechen.

Einige Tage später erzählte mir mein Mann, dass ihm ein Disziplinarrat bevorstehe und ich dabei sein könne, aber nicht müsse. Ich war verzweifelt. So hatte ich mir die ewige Ehe nicht vorgestellt. Was ich mir als Junge Dame während all der Lektionen zum Thema ewige Ehe erträumt hatte, sah vollkommen anders aus. Ich beschloss, meinem Bischof an diesem Abend mitzuteilen, dass mein Entschluss zur Scheidung bereits feststand.

Nachdem der Bischof mich in sein Büro gebeten hatte, blickte er mir direkt in die Augen und sagte mir, dem Satan sei es zwar beinahe gelungen, meine Familie zu zerstören, es sei jedoch noch möglich, sie zu retten. Er meinte, es gebe noch Hoffnung für meine Familie.

Ich ging nach Hause und war fest entschlossen, dem Satan den Sieg zu verweigern. Ich hatte bereits einmal im Vorherdasein gegen ihn gekämpft. Nun wollte ich hier auf der Erde nochmals mit aller Kraft gegen ihn kämpfen. Ich las jede Generalkonferenzansprache zu den Themen Vergebung, Sühnopfer, Familie, Hoffnung und wie man Schwierigkeiten überwindet. Ich schlug sämtliche Schriftstellen zum Thema Vergebung nach. Zwar wusste ich nicht, ob ich jemals all den Schmerz und die Enttäuschung würde überwinden können, doch betete ich aufrichtig darum, meinem Mann vergeben zu können.

Eines Morgens kniete ich mich hin und versprach dem Vater im Himmel, nicht mehr an Scheidung zu denken, wenn er mir beistehe. Seither sind acht Jahre vergangen. Die Sucht ist immer noch da, mit allen Höhen und Tiefen, aber wir arbeiten noch immer an unserer Ehe.

Mein Bischof hatte mir mehrmals versichert, ich sei nicht allein und Pornografie sei ein großes Problem in der Kirche, aber ich kannte keine Schwester, deren Ehemann unter Pornografiesucht litt. Als uns der Bischof vom Genesungsprogramm der Kirche für Suchtkranke erzählte, stellte ich fest, dass Gruppentreffen für Frauen angeboten wurden, deren Ehemänner pornografiesüchtig waren. Sofort hatte ich das Gefühl, dies sei genau das Richtige für mich. Ich sagte meinem Mann, er könne gern mit mir mitkommen, wenn er wolle, ich würde aber auf jeden Fall hingehen.

Wir gingen schließlich gemeinsam hin – er zu dem Treffen für die Männer und ich zu dem für die Frauen. Durch diese Treffen konnte ich sehen, dass es auch andere Frauen gab, die mit denselben Problemen zu kämpfen hatten wie ich. Ich begann, mich mit den Gefühlen auseinanderzusetzen, die ich unterdrückt hatte. Ich erfuhr, wie ich unabhängig davon, wie sich mein Mann verhielt, glücklich sein konnte. Sein Verhalten musste meine eigenen Gefühle, Taten oder mein Selbstwertgefühl nicht negativ beeinflussen. Ich lernte zu lieben, zu vergeben, am Heiland festzuhalten und nicht mehr von äußeren Einflüssen abhängig zu sein. Mein Mann machte den großen Sprung, den er gebraucht hatte, und nimmt weiterhin an den Gruppentreffen teil.

Als seine Partnerin kann ich ihn zwar lieben und unterstützen, doch kann ich ihn nicht von seiner Sucht befreien. Das ist ein Weg, den er beschreiten muss. Doch werde ich für ihn da sein, so lange wie erforderlich am Wegesrand stehen und ihn aufmuntern. Wir bemühen uns, unsere Kinder in einem glücklichen Zuhause großzuziehen und arbeiten beide daran, Freunde zu sein und einander lieb zu haben. Mein Mann ist unseren Kindern ein großartiger Vater, und sie bewundern ihn sehr. Er ist mein bester Freund.

Ich bin dankbar, dass das Genesungsprogramm für Suchtkranke, mitfühlende Priestertumsführer und vor allem unser Heiland mir gezeigt haben, wie man lieben und vergeben kann. Mein Mann kämpft noch immer gegen seine Sucht an, doch wegen des Evangeliums Jesu Christi kann ich jeden Tag lächeln.

* Name geändert