4. Schritt: Wahrheit

GRUNDSATZ: Nehmen Sie eine gründliche und furchtlose schriftliche Inventur von Ihrem Inneren vor.

Beim 3. Schritt entschieden Sie sich dafür, dem Herrn zu vertrauen. Sie übergaben Ihren Willen und Ihr Leben seiner Fürsorge. Beim 4. Schritt zeigen Sie Ihre Bereitschaft, Gott zu vertrauen. Sie nehmen eine gründliche und furchtlose Inventur Ihres Lebens vor. Tragen Sie Ihre Gedanken, die Ereignisse, Gefühle und Handlungen in Ihrem Leben zusammen, damit Ihre Inventur so vollständig wie möglich wird.

Es wird nicht leicht sein, so eine gründliche und furchtlose Inventur Ihres Lebens vorzunehmen. Mit furchtlos meinen wir nicht, dass Sie keine Angst spüren werden. Wahrscheinlich werden Sie viele Emotionen durchleben, wenn Sie Ihr Leben betrachten, unter anderem auch Verlegenheit, Scham und Furcht. Furchtlos bedeutet, dass Sie sich von Ihrer Angst nicht davon abhalten lassen, bei Ihrer Inventur gründlich vorzugehen. Der 4. Schritt bedeutet, dass Sie sich zu rückhaltloser Ehrlichkeit verpflichten, wenn Sie die Ereignisse Ihres Lebens betrachten. Dazu gehören auch Ihre eigenen Schwächen, nicht aber die Schwächen anderer.

In der Vergangenheit haben Sie Ihr schlechtes Verhalten vielleicht gerechtfertigt und anderen Menschen, Gegebenheiten oder den Umständen die Schuld für die von Ihnen verursachten Probleme zugeschoben. Ab jetzt übernehmen Sie die Verantwortung für vergangene und gegenwärtige Taten, auch dann, wenn Sie womöglich schmerzhafte, peinliche oder schwierige Ereignisse, Gedanken, Gefühle oder Handlungen eingestehen müssen.

Wenn Sie der Gedanke, eine gründliche und furchtlose Inventur vorzunehmen, abschreckt, dann bedenken Sie, dass Sie damit nicht allein dastehen. Wir fühlen mit Ihnen. Wir wissen noch, wie wir mit uns rangen, endlich bereit zu sein, diesen Schritt zu gehen. Viele von uns fragten sich, ob wir nicht den 4. Schritt auslassen und trotzdem unsere Sucht überwinden könnten. Aber letztendlich mussten wir den Worten derjenigen, die den Weg vor uns gegangen waren, Glauben schenken: „Ohne eine gründliche und furchtlose moralische Inventur … ist der Glaube, der im täglichen Leben wirklich funktioniert, noch immer außer Reichweite.“ (Twelve Steps and Twelve Traditions, 1981, Seite 43.)

Die Sucht lähmte unsere Fähigkeit, ehrlich über unser Leben nachzudenken. Sie schränkte unsere Fähigkeit ein, den Schaden und die Verwüstung, die sie in all unseren Beziehungen anrichtete – die Schuld, die wir auf uns geladen hatten –, zu begreifen. Ehe wir uns vertrauensvoll auf den Heiland verlassen konnten, brauchten wir ein Gefüge, anhand dessen er uns helfen konnte, unsere Vergangenheit ehrlich auszumisten. Der 4. Schritt bot dieses Gefüge; es bestand darin, durch „nachdrückliche und gewissenhafte Anstrengung aufzudecken, worin diese Schuld in unser aller Innersten bestand und noch jetzt besteht.“ (Twelve Steps and Twelve Traditions, Seite 42.)

Die Inventur half uns auch dabei, unser Leben mit dem Willen Gottes in Einklang zu bringen. Durch sie konnten wir negative Gedanken, Gefühle und Handlungen, die unser Leben bestimmten, erkennen. Als wir diese zerstörerischen Elemente in unserem Leben entdeckten, unternahmen wir damit den ersten Schritt zur Kursänderung. Es war schwierig, eine Inventur durchzuführen, aber dieser Schritt öffnete die Tür zu mehr Glauben und vermehrter Hoffnung, die wir doch so brauchten, um zu genesen und die Sucht zu überwinden.

 

Wie man eine Inventur durchführt

Als wir die Notwendigkeit des 4. Schritts eingesehen hatten, lautete die nächste Frage: „Aber wie geht man bei einer Inventur überhaupt vor? Welche Hilfsmittel brauche ich dazu?“ Eine Inventur ist eine sehr persönliche Angelegenheit, und deshalb gibt es auch nicht nur eine einzige richtige Herangehensweise. Sie können mit anderen, die schon eine Inventur hinter sich haben, sprechen und auch um die Führung des Herrn bitten. Er wird Ihnen helfen, aufrichtig und liebevoll zu sein, wenn Sie sich mit Ihren Erinnerungen und Gefühlen auseinandersetzen.

Eine Möglichkeit für die Bestandsaufnahme besteht darin, Erinnerungen an Menschen aufzuschreiben, an Institutionen und Organisationen, an Prinzipien, Ideen oder Glaubensüberzeugungen, an Ereignisse, Situationen oder Umstände, die positive oder negative Gefühle (einschließlich Trauer, Bedauern, Zorn, Groll, Angst, Bitterkeit) auslösen. Einige Punkte erscheinen auf Ihrer Liste vielleicht mehrmals. Das ist in Ordnung. Versuchen Sie an dieser Stelle nicht, zu ordnen, zu beurteilen oder zu analysieren. Am Anfang kommt es vor allem darauf an, so gründlich wie möglich vorzugehen.

Wenn Sie Ihre Inventur aufschreiben, schauen Sie über Ihre früheren Verhaltensweisen hinaus und hinterfragen Sie die Gedanken, Gefühle und Ansichten, die zu Ihrem Verhalten führten. Ihre Gedanken, Gefühle und Einstellungen sind nämlich die eigentlichen Wurzeln Ihres Suchtverhaltens. Wenn Sie nicht alle Ihre Neigungen im Zusammenhang mit Angst, Stolz, Groll, Zorn, Eigensinn und Selbstmitleid auf den Prüfstand stellen, wird Ihre Enthaltsamkeit bestenfalls auf wackligen Beinen stehen. Sie werden dann Ihr bisheriges Suchtverhalten fortsetzen oder zu einem anderen wechseln. Ihre Sucht ist ein Symptom für andere „Ursachen und Umstände.“ (Alcoholics Anonymous, 2001, Seite 64).

Einige Menschen nehmen eine Einteilung vor: Alter, Schuljahre, Wohnorte oder Beziehungen. Andere beginnen einfach mit einem Brainstorming. Wahrscheinlich fällt Ihnen nicht alles auf einmal ein. Beten Sie immer wieder dabei, damit der Herr Ihnen das eine oder andere in Erinnerung rufen kann. Schließen Sie Ihre Inventur nicht ab, sondern ergänzen Sie sie, wenn Ihnen wieder etwas einfällt.

Wenn Sie mit Ihrer Liste fertig sind, erbitten Sie die Führung des Herrn, damit Sie aus jeder Erinnerung etwas lernen können. Einige verwenden für diesen Teil der Inventur eine Tabelle oder eine Übersicht mit Spalten, die nach den fünf unten aufgeführten Überschriften bezeichnet werden. Sie beschränken ihre Eintragungen auf kurze Aussagen. Andere legen für jeden Eintrag auf ihrer Liste eine Seite an und schreiben darauf dann ihre Ausführungen zu den fünf Kategorien.

  1. Vorfall. Was ist passiert? Beschreiben Sie mit wenigen Worten das Ereignis, so, wie Sie sich daran erinnern. Schreiben Sie eine Zusammenfassung und keine lange Geschichte.

  2. Auswirkung. Welche Auswirkungen hatte dies auf Sie und andere?

  3. Gefühle. Wie haben Sie sich während des Vorfalls gefühlt? Was empfinden Sie heute diesbezüglich? Überlegen Sie, welche Rolle Ihre Ängste dabei spielten.

  4. Selbstbeurteilung. Wie wirkten sich Ihre charakterlichen Schwächen oder Stärken auf die Situation aus? Erkennen Sie einen Hinweis auf Stolz, Selbstmitleid, Selbsttäuschung oder Eigensinn in Ihrer Einstellung oder Ihrem Handeln? Achten Sie darauf, dass Sie auch die Situationen aufschreiben, in denen Sie richtig gehandelt haben.

Der Heilige Geist kann Ihnen helfen, sich zu demütigen und der Wahrheit ins Auge zu sehen, auch wenn sie schmerzhaft ist. Mit der Hilfe des Herrn können Sie Ihre Stärken und Schwächen erkennen (siehe Ether 12:27). Die folgenden Fragen können dabei helfen:

  • Was wollte ich in dieser Situation erreichen und warum?

  • Wie habe ich versucht, die Situation zu beherrschen?

  • Ging mich das Ganze überhaupt etwas an?

  • Was tat oder unterließ ich, um das zu bekommen, was ich wollte?

  • Habe ich die Realität verleugnet?

  • Waren meine Erwartungen an mich und andere vernünftig?

  • Habe ich mich selbst oder andere dabei belogen?

  • Habe ich die Gefühle anderer außer Acht gelassen und nur an mich gedacht?

  • Bin ich in die Opferrolle geschlüpft, um andere zu kontrollieren, Aufmerksamkeit und Mitgefühl zu bekommen, um etwas Besonderes zu sein und so weiter?

  • Habe ich Hilfe von Gott oder anderen abgelehnt?

  • Bestand ich darauf, im Recht zu sein?

  • War ich gekränkt, weil ich nicht genügend Anerkennung und Bestätigung bekam?

  1. Inspirierter Rat. Welchen Rat erteilt der Herr zu diesem Vorfall? Vergessen Sie nicht: Sie haben nichts zu befürchten, wenn Sie sich dem Erlöser unterwerfen. Sie sind hier, um den Unterschied zwischen Gut und Böse zu lernen. Der Erretter kann Ihnen dabei helfen, sich selbst und anderen zu vergeben. Schreiben Sie Ihre Gedanken und Eindrücke auf, wenn Sie sich mit dem inspirierten Rat aus den heiligen Schriften oder von Führern der Kirche befassen.

 

Vier unerlässliche Bestandteile

Viererlei ist entscheidend für eine erfolgreiche Inventur: Schreiben, Ehrlichkeit, Unterstützung und Beten. Diese Bestandteile einer moralischen Inventur werden Ihnen helfen, Sünden und Unzulänglichkeiten zu erkennen und zu überwinden.

1. Schreiben.

Die Inventur Ihres Lebens wird Ihnen am meisten bringen, wenn Sie sie niederschreiben. Man kann ein Schriftstück in die Hand nehmen, es noch einmal lesen, sich bei Bedarf darauf beziehen. Dagegen werden nicht aufgeschriebene Gedanken schnell vergessen, jede Ablenkung kann Sie leicht unterbrechen. Wenn Sie Ihre Inventur aufschreiben, werden Sie klarer über die Ereignisse in Ihrem Leben nachdenken können, und Sie können sich besser darauf konzentrieren.

Manche möchten ihre Inventur nicht schriftlich festhalten, weil sie sich wegen ihrer Fähigkeiten beim Schreiben schämen oder befürchten, dass jemand anders ihren Bericht lesen könnte. Lassen Sie sich von diesen Ängsten nicht aufhalten. Es kommt nicht darauf an, ob Sie Rechtschreibung und Grammatik beherrschen, sich gut ausdrücken oder mit einer Tastatur umgehen können. Sie können Strichmännchen zeichnen, wenn es nicht anders geht, aber bringen Sie Ihre Inventur zu Papier. Erst wenn Sie sie in eine greifbare Form gebracht haben, haben Sie den 4. Schritt geschafft. Wenn Sie am 4. Schritt arbeiten, bedenken Sie, dass Perfektionismus – also der Versuch, bei der Inventur perfekt zu sein und anderen damit zu gefallen –, Sie daran hindern kann, einen vollständigen Bericht anzufertigen.

Die Vorstellung, dass jemand lesen könnte, was Sie geschrieben haben, mag wirklich beängstigend sein, aber Sie können das überwinden. Diejenigen von uns, die eine Inventur gemacht haben, hatten auch Angst davor. Wir mussten alles tun, um unsere Inventur für uns zu behalten, und dann das Ergebnis dem Herrn überlassen. Wir mussten uns mehr um unsere Genesung kümmern als um unser Ego oder unseren Ruf. Bei der Inventur mussten wir ständig um Gottes Hilfe flehen, dass er uns dabei schützen und führen möge. Denken Sie immer daran: Der 4. Schritt bedeutet, dass sie sich nicht länger aus Scham verstecken, sondern zugeben, dass Sie Umkehr üben müssen. Wenn Sie gebeterfüllt überlegen, wie und wo Sie die Aufzeichnungen von Ihrer Inventur aufbewahren können, wird der Herr Ihnen zeigen, wie das am besten geht.

2. Ehrlichkeit.

Es kann erschreckend sein, wenn man die Bereiche seines Lebens betrachtet, in denen man Sünden begeht. Die Menschen vermeiden es häufig, einen genauen Blick auf ihre Vergangenheit zu werfen, weil sie fürchten, dass sie bei näherer Betrachtung erkennen, was tatsächlich aus ihrem Leben geworden ist. Wenn Sie nun den 4. Schritt gehen, müssen Sie sich der Wahrheit über Ihr Leben und Ihre Ängste ehrlich stellen.

Bei Ihrer Inventur werden Sie nicht nur Ihre Schwächen entdecken, sondern Sie werden auch Ihre Stärken erkennen und mehr zu schätzen lernen. Erfassen Sie in Ihrer Inventur auch Ihre positiven Charakterzüge und das Gute, was Sie getan haben. Sie bestehen ja schließlich aus Schwächen und aus Stärken. Wenn Sie bereit sind, sich der ganzen Wahrheit über Ihre Vergangenheit zu stellen – dem Guten wie dem Schlechten –, kann der Herr Ihnen die Wahrheit offenbaren und Ihnen helfen, die Vergangenheit aus der richtigen Perspektive zu betrachten. Der Herr wird Ihnen helfen, Ihrem Leben eine andere Richtung zu geben und Ihr göttliches Potenzial zu erreichen. Sie werden feststellen, dass Sie wie alle anderen Menschen sind, Sie haben nämlich auch Stärken und Schwächen. Jetzt können Sie anderen auf gleicher Augenhöhe begegnen.

3. Unterstützung.

Sie können von der Unterstützung und Ermutigung derer profitieren, die wissen, wie die Genesung abläuft. Diese können Ihnen helfen, eine Methode, Struktur oder Herangehensweise zu finden, mit der Sie am besten Ihre Vergangenheit aufarbeiten können. Sie können Ihnen auch Mut machen, wenn es Ihnen daran mangelt.

4. Beten.

Wenn Ihnen bewusst wird, was für eine große Herausforderung der 4. Schritt darstellt, denken Sie daran, wie der Herr Ihnen bei den bisherigen Schritten schon geholfen hat. Als Sie ihn um Trost, Mut und Führung baten, erhielten Sie die Hilfe, die Sie jetzt auch bei Ihrer Inventur begleiten wird. Paulus lehrte uns, dass Gott der „Gott allen Trostes“ sei. „Er tröstet uns in all unserer Not.“ (2 Korinther 1:3,4.) Wenn Sie jedes Mal beten, wenn Sie an Ihrer Inventur schreiben wollen, wird Gott Ihnen helfen. Wenn Sie diesen anscheinend unmöglichen Schritt gehen, werden Sie feststellen: Gott kann und wird immer für Sie da sein, wenn Sie darum bitten.

 

Sie machen sich von der Vergangenheit frei

Manch einer hat Angst, die Vergangenheit zu betrachten, weil er befürchtet, er könne unbeabsichtigt falsche Erinnerungen schaffen, wenn ein Eindruck ihm entweder nur noch vage oder aber besonders ausgeschmückt in den Sinn kommt. Nehmen Sie in Ihre Inventur deshalb nur Ereignisse auf, an die Sie sich klar genug erinnern, um sich damit befassen und sie einordnen zu können. Auch hierfür liegt der Schlüssel darin, Gott zu vertrauen. Wenn Sie Ihre Inventur mit aufrichtigem Gebet, wirklichem Vorsatz und Glauben an Christus vornehmen, können Sie darauf vertrauen, dass der Herr Ihnen all das, was zu Ihrer Genesung beiträgt, in Erinnerung ruft.

Wenn Sie den 4. Schritt vollzogen haben, haben Sie etwas Großartiges erreicht: Sie sind wesentlich darin vorangekommen, von Verhaltensweisen frei zu werden, die Ihre Vergangenheit geprägt haben. Wenn Sie sich selbst betrachten, indem Sie diesen Schritt vom Anfang bis zum Ende gehen, regt dies Sie möglicherweise dazu an, Ihrem Leben eine andere Richtung zu geben, sofern Sie es zulassen. Dank der Liebe und Gnade des Erlösers müssen Sie nicht so bleiben, wie Sie bisher waren. Wenn Sie Ihr Leben unter die Lupe nehmen und den Herrn dabei um Führung bitten, werden Sie erkennen, dass Sie aus dem, was Sie erlebt haben, etwas lernen können. Sie werden feststellen, dass Sie dadurch, dass Sie Schwächen aufdecken, unter denen Sie so lange gelitten haben, vorankommen und ein neues Leben beginnen können.

 


Umsetzung

Führen Sie Tagebuch; erbitten Sie Führung durch den Heiligen Geist

Für viele von uns war die Inventur der erste Versuch, etwas über unser Leben zu schreiben. Ein Tagebuch kann die Genesung auch weiterhin sehr wirkungsvoll voranbringen. Die Propheten des Herrn haben oft über die Bedeutung des Tagebuchs gesprochen. Beispielsweise gab uns Präsident Spencer W. Kimball diesen Rat: „Halten Sie Ihr Kommen und Gehen fest, Ihre innersten Gedanken, Ihre Leistungen und Ihre Niederlagen, mit wem Sie Umgang haben, Ihre Eindrücke und Ihr Zeugnis.“ („The Angels May Quote from It“, New Era, Oktober 1975, Seite 5.)

Wenn Sie gebeterfüllt über Ihr Leben schreiben, ermöglichen Sie es dem Heiligen Geist, Ihnen erkennen und verstehen zu helfen, was Sie aus jedem Ihrer Erlebnisse lernen können. Wenn Sie gegenwärtig noch kein Tagebuch führen, möchten wir Sie dazu ermutigen, damit anzufangen. Wenn Sie es schon tun, möchten wir Sie dazu anhalten, dabei gebeterfüllter vorzugehen, damit der Herr Sie belehren und Ihr Verständnis durch seinen Geist erweitern kann.

 

Erstellen Sie einen Bericht über Ihr Leben, wie es war und wie es jetzt ist

Für eine vollständige Inventur braucht man Zeit. Sie brauchen sich nicht zu beeilen, aber Sie sollten damit anfangen. Es ist nicht so wichtig, wo Sie beginnen, es ist viel wichtiger, dass Sie sich mit Ihrer Vergangenheit auseinandersetzen – soweit es Ihre Erinnerung und die Inspiration des Herrn zulassen. Schreiben Sie einfach das auf, woran Sie sich erinnern können. Was Sie aufschreiben, ist vertraulich, und Sie werden nur einer Vertrauensperson, die Sie unterstützt, Einblick gewähren. Diese Person werden Sie beim 5. Schritt gebeterfüllt aussuchen. Bei Ihrer Inventur geht es um Sie, Ihre Beziehung zu sich selbst, zu Gott und zu anderen. Wenn Sie den Mut aufbringen, sich so zu sehen, wie Sie wirklich sind, wird Gott Ihnen die Augen öffnen und Sie sehen sich allmählich so, wie er Sie sieht: als eines seiner Kinder mit göttlichem Geburtsrecht. Gehen Sie diesen Schritt, und denken Sie dabei immer an Ihr göttliches Geburtsrecht.

 

Denken Sie nicht mehr an Ihre Sünden

Wenn Sie Ihre schriftliche Inventur abgeschlossen haben, sollten Sie zu gegebener Zeit die Teile vernichten, die negative oder zornige Äußerungen, Schilderungen von Übertretungen und andere vertrauliche Angelegenheiten enthalten, die nicht für andere bestimmt sind und nicht an die nächste Generation weitergegeben werden sollen. Wenn Sie diese Aufzeichnungen vernichten, kann dies ein Symbol Ihrer Umkehr sein und auch ein wirksames Mittel, die Sache loszulassen. Der Herr verhieß Jeremia in Bezug auf sein Volk: „Denn ich verzeihe ihnen die Schuld, an ihre Sünde denke ich nicht mehr.“ (Jeremia 31:34.) Wir sollten dem Beispiel des Herrn folgen und uns unsere eigenen Sünden und anderen ihre Sünden vergeben.

 


Studieren und Verstehen

Die folgenden Schriftstellen und Aussagen von Führern der Kirche können Ihnen beim 4. Schritt helfen. Denken Sie darüber nach, befassen Sie sich damit und halten Sie Ihre Gedanken dazu schriftlich fest. Denken Sie daran, beim Schreiben ehrlich und konkret zu sein.

 

Rückblick auf Ihr Leben

„Ich möchte Sie alle … auffordern, Ihr Leben zu betrachten. Sind Sie von den Grundsätzen abgewichen, von denen Sie doch wissen, dass sie Sie glücklich machen? Gibt es eine finstere Ecke, die Sie auskehren müssen? Tun Sie derzeit etwas, was falsch ist? Hegen Sie unreine Gedanken? Ruft Ihr Gewissen Sie zur Umkehr auf, wenn Sie in einem stillen Augenblick zur Besinnung kommen?

Bitte kehren Sie um, damit Sie jetzt inneren Frieden haben und für immer glücklich sein können. Schütten Sie dem Herrn Ihr Herz aus, und bitten Sie ihn um Hilfe. Dann wird Ihnen Vergebung zuteil werden, und Sie finden inneren Frieden. Sie werden erkennen, dass Sie rein und heil geworden sind. Bringen Sie den Mut auf, den Herrn zu bitten, er möge Ihnen die Kraft schenken, jetzt umzukehren.“ (Richard G. Scott, Der Stern, Juli 1995, Seite 70.)

  • Der 4. Schritt ist eine Möglichkeit, Elder Scotts Rat zu befolgen. Beten Sie in einem ruhigen Moment um Führung und Mut für die Betrachtung Ihres Lebens. Nehmen Sie sich gebeterfüllt Zeit für eine Selbsteinschätzung. Denken Sie über Elder Scotts Fragen nach und halten Sie Ihre Gedanken dazu fest.

 

Die Vergangenheit eingestehen

„Wendet euch ab von euren Sünden; schüttelt ab die Ketten dessen, der euch fest binden möchte; kommt zu dem Gott, der der Fels eurer Errettung ist.“ (2 Nephi 9:45.)

  • Sie können sich erst dann von Sünde abwenden und die Ketten der Sucht abschütteln, wenn Sie sich eingestehen, dass die Sünde und die Ketten existieren. Schreiben Sie auf, was Ihnen daran widerstrebt, sich uneingeschränkt ehrlich mit Ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen.

 

Verdrängung durch Wahrheit ersetzen

„Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre und die Wahrheit ist nicht in uns.“ (1 Johannes 1:8.)

  • Ein Hauptmerkmal von Sucht ist Verdrängung oder Selbsttäuschung: Jemand bestreitet, ein Problem zu haben. Inwiefern trägt es zur Genesung bei, wenn Sie sich der Wahrheit stellen statt sie zu verdrängen?

  • Wie kann Ihnen der 4. Schritt dabei helfen, dies zu schaffen?

 

Die Hoffnung auf Genesung

„Ich dachte an alle meine Sünden und Übeltaten, für die ich mit den Qualen der Hölle gepeinigt wurde; ja, ich sah, dass ich mich gegen meinen Gott aufgelehnt hatte und dass ich seine heiligen Gebote nicht gehalten hatte.“ (Alma 36:13.)

  • Sich an seine Sünden zu erinnern mag schmerzhaft sein, aber Sie können dadurch in ein neues Leben eintreten (siehe Alma 36:19-21). Fragen Sie jemanden, der diesen Schritt absolviert hat, inwiefern er ihm geholfen hat. Wie kann die Hoffnung, gesund zu werden, Ihnen helfen, die Schmerzen der Reue durchzustehen, bis Sie die Freude über die Vergebung erleben?

 

Die Wahrheit

„Durch die Macht des Heiligen Geistes könnt ihr von allem wissen, ob es wahr ist“ (Moroni 10:5).

  • Manchen Menschen fällt es schwer, an schmerzhafte Wahrheiten aus der Vergangenheit zurückzudenken oder sie sich einzugestehen. Doch der Heilige Geist kann Ihnen helfen, sich zu erinnern, wenn Sie den 4. Schritt gehen, und er kann Ihnen Trost spenden. Sie können diese Segnungen erlangen, selbst wenn Sie nicht die Gabe des Heiligen Geistes haben. Schreiben Sie auf, wie der Heilige Geist Sie bei Ihrer Bestandsaufnahme führen kann.

  • Warum ist es so wichtig, dass Sie die Wahrheit über Ihre gegenwärtige Situation kennen?

  • Warum ist es wichtig, dass Sie wissen, dass Sie ein Kind Gottes sind?

 

Schwäche und Stärke

„Wenn Menschen zu mir kommen, so zeige ich ihnen ihre Schwäche. Ich gebe den Menschen Schwäche, damit sie demütig seien; und meine Gnade ist ausreichend für alle Menschen, die sich vor mir demütigen; denn wenn sie sich vor mir demütigen und Glauben an mich haben, dann werde ich Schwaches für sie stark werden lassen.“ (Ether 12:27.)

  • Wenden Sie diesen Vers auf Ihr Leben an. Schreiben Sie ihn ab und setzen Sie Ihren Namen ein, so, als ob der Herr direkt zu Ihnen sprechen würde. Schreiben Sie die Gedanken zu dieser Schriftstelle und dazu, wie Sie sie auf sich selbst anwenden können, auf.

 

„Die Wahrheit wird euch befreien“

„Ihr [werdet] die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch befreien.“ (Johannes 8:32.)

  • Ehrlich mit sich selbst und dem Herrn zu sein, der auch als „Geist der Wahrheit“ (LuB 93:9) bezeichnet wird, stellt den Schlüssel zur Freiheit von den Lügen dar, die Sie in Knechtschaft halten. Wenn Sie den Herrn besser kennenlernen, werden seine Macht und seine Gegenwart Sie von der Sucht befreien. Wie kann das Erkennen der Wahrheit Ihre Beziehung zu Jesus Christus verbessern?