5. Schritt: Bekenntnis – Wie Jessica ihre Esssucht überwand

5. Schritt: Bekenntnis

GRUNDSATZ: Geben Sie gegenüber sich selbst, dem himmlischen Vater im Namen Jesu Christi, dem für Sie zuständigen Priestertumsführer und einer weiteren Person ohne Umschweife Ihre Fehler zu.

Viele, die an einer Sucht leiden, haben etwas gemeinsam: Sie fühlen sich isoliert. Sogar in einer Menschenmenge oder bei Aktivitäten, die bei anderen oft ein Zusammengehörigkeitsgefühl auslösen, fühlten wir uns nicht zugehörig. Als wir dann die Treffen besuchten, tauchten wir nach und nach aus der emotionalen Isolation auf, die von der Sucht geschürt worden war. Anfänglich saßen viele von uns nur da und hörten zu, aber schließlich fühlten wir uns sicher genug zu sprechen und uns mitzuteilen. Dennoch behielten wir vieles für uns: das, wofür wir uns schämten, das, was uns peinlich war oder uns das Gefühl gab, verletzlich zu sein.

Beim 4. Schritt hatten wir eine ehrliche und gründliche Inventur vorgenommen, aber dies war eine persönliche Angelegenheit gewesen. Immer noch standen wir mit der Schande der Vergangenheit allein da. Erst als wir den 5. Schritt gingen, konnten wir unsere Geheimnisse, die uns gefesselt hielten und von anderen Menschen absonderten, loswerden und allmählich uns selbst und die Vergangenheit im richtigen Licht sehen. Als wir einmal anfingen zu bekennen, folgten darauf weitere Bekenntnisse. Wir bekundeten unseren Freunden, Angehörigen und auch anderen unsere Reue. Damit begannen wir etwas, worum wir uns auch heute noch bemühen, nämlich zerbrochene Beziehungen zu kitten und wieder aufzunehmen. Zum Bekennen gehörte auch, dass wir den Herrn um Vergebung baten, im Gebet sowie durch die zuständigen Priestertumsführer, wo dies erforderlich war.

Wir haben festgestellt, dass man den 5. Schritt am besten so schnell wie möglich nach Abschluss des 4. Schritts angehen sollte. Ein Aufschieben wäre so, als wenn man eine infizierte Wunde entdeckte, sie aber nicht reinigte. Der 5. Schritt kam uns ungeheuer schwer vor, doch als wir den Herrn um Hilfe baten, schenkte er uns Mut und Kraft. Wir sahen unsere Bestandsaufnahme gründlich durch und gestanden unserem Bischof dann alles, was gegen ein Gesetz verstieß oder eine Sünde oder ein Vergehen war, eben alles, was uns daran gehindert hätte, einen Tempelschein zu erhalten. Dieses Bekennen vor einem bevollmächtigten Priestertumsträger war ganz wesentlich für unsere Genesung und Heilung.

Wir wählten noch eine andere Vertrauensperson aus, der wir schilderten, worin genau unsere Fehltritte bestanden. Wir versuchten jemanden zu finden, der den 4. und 5. Schritt schon absolviert hatte und sich gut im Evangelium auskannte. Zu Beginn unseres Gesprächs beteten wir, um den Geist einzuladen, und dann lasen wir unsere Inventur vor. Die Personen, die sich unsere Bestandsaufnahme anhörten, halfen uns oft dabei, die Bereiche zu erkennen, in denen wir uns noch immer etwas vormachten. Sie halfen uns dabei, unser Leben aus der richtigen Perspektive zu betrachten und zu vermeiden, dass wir unsere Verantwortung darin zu hoch oder zu gering bewerteten.

Als wir unsere Inventur schrieben, war es uns, als würden wir hunderte einzelner Episoden aus unserem Leben festhalten. Beim 5. Schritt entfaltete unser Leben sich förmlich vor uns, eine Begebenheit nach der anderen, flüssig hintereinander erzählt. Dadurch war es uns möglich, typische Muster in unseren Schwächen zu entdecken, die unsere Entscheidungen beeinflusst hatten. Allmählich begriffen wir, dass wir zu negativen Gedanken und Gefühlen neigten (Eigensinn, Angst, Stolz, Selbstmitleid, Eifersucht, Selbstgerechtigkeit, Zorn, Groll, ungezügelte Leidenschaften und Wünsche und so weiter). In Wirklichkeit lagen in diesen Gedanken und Gefühlen die Wurzeln unseres falschen Verhaltens.

Indem wir den 5. Schritt absolvierten, bezeugten wir vor Gott, vor uns selbst und einem weiteren Zeugen unsere Entschlossenheit, ein neues Leben zu führen, das fest darauf gegründet ist, die Wahrheit zu sagen und auch dementsprechend zu leben. Der 5. Schritt war zwar einer der schwierigsten Schritte, doch Präsident Spencer W. Kimballs Rat machte uns Mut:

„Die Umkehr kann erst erfolgen, wenn man seine Seele bloßlegt und ohne Ausreden und Entschuldigungen zugibt, was man getan hat. … Wer sich entschließt, die Sache in Angriff zu nehmen und sein Leben zu ändern, stellt womöglich fest, dass die Umkehr anfangs der schwierigere Weg ist. Sobald man aber ihre Früchte genossen hat, weiß man, dass dieser Weg weitaus erstrebenswerter ist.“ („The Gospel of Repentance“, Ensign, Oktober 1982, Seite 4.)

Wir haben das erlebt, was Präsident Kimball gesagt hat. Als wir den 5. Schritt ehrlich und gründlich durcharbeiteten, hatten wir nichts mehr zu verbergen. Wir zeigten offen unseren Wunsch, dass wir „alle [unsere] Sünden aufgeben“ (Alma 22:18) wollten, damit wir eine größere Erkenntnis von der Liebe Gottes empfangen könnten und auch die Liebe und Unterstützung vieler guter Menschen in unserem Umfeld.

 


Umsetzung

Trachten Sie nach Vergebung; beraten Sie sich bei Bedarf mit dem Bischof; seien Sie ehrlich zu Gott, sich selbst und anderen

„Alle sind verpflichtet, dem Herrn alle ihre Sünden zu bekennen und seine Vergebung zu erlangen.“ (Schriftenführer, „Bekennen, Bekenntnis“, Seite 20.) Schwerwiegende Übertretungen müssen dem zuständigen Priestertumsführer bekannt werden, in der Regel dem Bischof:

„Zwar kann nur der Herr Sünden vergeben, aber diese Priestertumsträger spielen eine entscheidende Rolle bei der Umkehr. Sie werden das, was Sie ihnen bekennen, vertraulich behandeln und Sie auf dem Weg der Umkehr helfend begleiten. Seien Sie ihnen gegenüber ganz ehrlich. Wenn Sie nur teilweise bekennen, also nur geringfügigere Fehler erwähnen, können Sie eine gravierende Übertretung, die Sie verschwiegen haben, nicht aus der Welt schaffen. Je eher Sie sich auf den Weg machen, desto eher kommen Sie in den Genuss des Friedens und der Freude, die mit dem Wunder der Vergebung einhergehen.“ (Treu in dem Glauben – ein Nachschlagewerk zum Evangelium, Seite 183f.)

Wählen Sie sehr sorgfältig und bedacht aus, wem Sie neben Ihrem Priestertumsführer Ihre Fehltritte noch offenbaren wollen. So etwas Vertrauliches ist nichts für Leute, bei denen Sie befürchten müssen, dass sie Sie manipulieren oder Ihnen falsche Informationen geben könnten, oder denen es womöglich schwerfiele, für sich zu behalten, was ihnen anvertraut wurde. Diejenigen, mit denen Sie über Ihre Inventur sprechen, müssen in Wort und in Tat äußerst vertrauenswürdig sein.

 

Lassen Sie Frieden in Ihr Leben einziehen

Präsident Brigham Young warnte die Mitglieder davor, ihre Sünden unnötigerweise zu enthüllen:

„Wenn wir die Brüder bitten, wie wir es häufig tun, in der Abendmahlsversammlung zu sprechen, möchten wir, dass sie ihre Verfehlungen bekennen, falls sie ihren Nächsten gekränkt haben; aber erzählen Sie nichts von Unsinn, den Sie angestellt haben, von dem aber außer Ihnen keiner etwas weiß. Reden Sie in der Öffentlichkeit über das, was an die Öffentlichkeit gehört. Wenn Sie gegen die Menschen gesündigt haben, bekennen Sie es ihnen. Wenn Sie gegen eine Familie oder gegen Ihre Nachbarn gesündigt haben, so gehen Sie zu ihnen und bekennen Sie es. Wenn Sie gegen Ihre Gemeinde gesündigt haben, bekennen Sie es ihr. Wenn Sie gegen einen Menschen gesündigt haben, so nehmen Sie ihn beiseite und bekennen Sie es ihm. Und wenn Sie gegen Ihren Gott gesündigt haben oder gegen sich selbst, bekennen Sie es Gott und behalten Sie es für sich, denn ich will nichts darüber wissen.“ (Discourses of Brigham Young, Hg. John A. Widtsoe, 1954, Seite 158.)

Vielleicht fällt Ihnen dann und wann auf, dass manche in der Selbsthilfegruppe oder in anderen Situationen immer und immer wieder von ihren Sünden und Unzulänglichkeiten berichten, oder auch von den Sünden, die andere an ihnen verübt haben. Sie sind ständig dabei zu bekennen, finden aber keinen Frieden.

Verwechseln Sie den 5. Schritt nicht mit dem zwanghaften Verlangen, sich auf Negatives zu konzentrieren. Beim 5. Schritt geht es genau um das Gegenteil. Wir vollziehen ihn nicht, um uns an dem festzuklammern, was wir bekennen, sondern um Gut von Böse unterscheiden zu lernen, und dann das Gute zu wählen.

 


Studieren und Verstehen

Die folgenden Schriftstellen und Aussagen von Führern der Kirche können Ihnen beim 5. Schritt helfen. Denken Sie darüber nach, befassen Sie sich damit und halten Sie Ihre Gedanken dazu schriftlich fest. Denken Sie daran, beim Schreiben ehrlich und konkret zu sein.

 

Vor Gott bekennen

„Ich, der Herr, vergebe denen die Sünden, die ihre Sünden vor mir bekennen und um Vergebung bitten.“ (LuB 64:7.)

  • Wie kann es Ihnen helfen, positive Veränderungen in Ihrem Leben vorzunehmen, wenn Sie Ihre Sünden vor Gott bekennen?

  • Die meisten von uns fürchten sich davor, den 5. Schritt anzugehen, und sträuben sich dagegen. Inwiefern können Sie daraus, dass Sie Gott Ihre Sünden bekennen, den Mut und die Kraft ziehen, sie schließlich auch gegenüber einem anderen Menschen zu bekennen?

 

Vor anderen bekennen

„Darum bekennt einander eure Sünden, und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet.“ (Jakobus 5:16, King-James-Übersetzung.)

  • Vielleicht fürchten Sie, dass jemand, der alle Ihre Schwächen und Unzulänglichkeiten kennt, Sie zurückweisen könnte. Aber ein Priestertumsführer oder ein vertrauenswürdiger Freund, der den Genesungsprozess versteht, reagiert in der Regel mit Verständnis und Mitgefühl. Wie könnte eine derartige Reaktion Ihnen bei der Heilung helfen?

 

Vor anderen gut dastehen wollen

„Niemand soll seine eigene Rechtschaffenheit zur Schau stellen …; lasst ihn lieber seine Sünden bekennen, dann wird ihm vergeben werden, und er wird mehr Frucht hervorbringen.“ (Joseph Smith, History of the Church, 4:479.)

  • Wer mit einer Sucht zu kämpfen hat, ist oft von dem Wunsch besessen, vor anderen gut dazustehen. Inwiefern würde dieser Wunsch Sie davon abhalten, sich zu verbessern und „mehr Frucht“ (oder gute Werke) hervorzubringen?

  • Inwiefern würde sich Ihr Verhalten ändern, wenn Sie nur daran interessiert wären, vor Gott gut dazustehen?

 

Aufrichtigkeit

„Wer auch immer gegen mich übertritt, den sollt ihr richten gemäß den Sünden, die er begangen hat; und wenn er seine Sünden bekennt vor dir und mir und in der Aufrichtigkeit seines Herzens umkehrt, sollt ihr ihm vergeben, und ich werde ihm auch vergeben.“ (Mosia 26:29.)

  • Wenn Sie Ihre Sünden bekennen, müssen Sie aufrichtig sein. Überlegen Sie, inwiefern Sie nicht aufrichtig genug sind, wenn Sie nicht alles bekennen, sondern einiges für sich behalten? Welchen Teil Ihrer Inventur möchten Sie eventuell gern verbergen?

  • Was haben Sie zu gewinnen, wenn Sie diesen Teil Ihrer Inventur weiterhin verheimlichen? Was haben Sie zu verlieren?

 

Bekennen Sie Sünden sofort, wenn Sie sie erkennen

„Sie [wurden] in diesem selben Jahr zur Erkenntnis ihres Irrtums gebracht und bekannten ihre Fehler.“ (3 Nephi 1:25.)

  • Dieser Vers ist ein Beispiel für Menschen, die es nicht hinauszögerten, ihre Fehler zu bekennen, nachdem sie sie erkannt hatten. Was sind die Vorteile, wenn man den 5. Schritt so bald wie möglich nach dem 4. Schritt absolviert?

  • Welche negativen Auswirkungen könnte das Hinauszögern des 5. Schritts haben?

 

Die Last leichter machen und Frieden finden

„Ich würde nicht bei deinen Verbrechen verweilen und dir die Seele martern, wenn es nicht zu deinem Besten wäre.“ (Alma 39:7.)

  • Einige behaupten, dass wir uns beim 4. und 5. Schritt zu sehr auf das Negative im Leben konzentrieren und damit unsere Last nur noch schwerer machen. Aus diesem Vers lernen wir, dass es durchaus zu unserem Nutzen sein kann, wenn wir mit unseren Unzulänglichkeiten konfrontiert werden, es geht nicht nur darum, unsere Seele zu „martern“. Wie können der 4. und 5. Schritt Ihnen die Last leichter machen und Ihnen mehr Frieden bringen?

 

Sich von der Sünde abwenden

„Ob jemand von seinen Sünden umkehrt, könnt ihr daran erkennen: Siehe, er wird sie bekennen und von ihnen lassen.“ (LuB 58:43.)

  • Von etwas zu lassen bedeutet, dass man etwas hinter sich lässt und es völlig aufgibt. Inwiefern bekunden Sie Ihren Wunsch, Ihre bisherige Lebensweise aufzugeben, wenn Sie den 5. Schritt absolvieren?