7. Schritt: Demut – Wie Holly ihre Drogensucht überwand

7. Schritt: Demut

GRUNDSATZ: Bitten Sie den Vater im Himmel demütig darum, Ihre Verfehlungen und Unzulänglichkeiten von Ihnen zu nehmen.

Eine demütige Einstellung brauchen Sie bei allen Schritten, aber beim 7. Schritt ist sie am wichtigsten: „Bitten Sie den Vater im Himmel demütig darum, Ihre Verfehlungen und Unzulänglichkeiten von Ihnen zu nehmen.“ Die demütige Einstellung, die wir uns beim 6. Schritt angeeignet hatten, ließ uns beim 7. Schritt niederknien und den Herrn bitten, unsere Verfehlungen und Unzulänglichkeiten von uns zu nehmen. Als wir hier angelangt waren, wollten wir nur aus einem einzigen Wunsch heraus beten, nämlich um mit dem himmlischen Vater und dem Herrn Jesus Christus in Herz und Sinn eins zu werden. Wir wollten nicht einfach nur unsere Gewohnheiten oder unseren Lebensstil ändern. Endlich waren wir bereit zuzulassen, dass Gott unsere ureigene Persönlichkeit verändert.

Der 7. Schritt hieß für jeden von uns, dass wir uns dem Erlöser hingaben, so umfassend, dass viele von uns innerlich einfach ausrufen mussten wie Alma: „O Jesus, du Sohn Gottes, sei barmherzig zu mir.“ (Alma 36:18.) Wir bereuten aufrichtig und von ganzem Herzen, nicht nur deshalb, weil wir gelitten oder anderen Leid zugefügt hatten, sondern auch, weil wir unsere Verfehlungen und Unzulänglichkeiten noch immer nicht ablegen konnten, obwohl wir uns bereits im Heilungsprozess befanden.

Da wir von der Liebe Gottes gekostet hatten, war es unser Wunsch, all unsere Sünden, ja, selbst den Wunsch zu sündigen, abzulegen, um Gott näherzukommen. Zu guter Letzt brachten wir aus freien Stücken und von ganzem Herzen unsere Seele Gott dar und flehten ihn an, uns zu vergeben und uns als sein Abbild zu formen. Endlich hatten wir erkannt, dass wir durch keinen anderen Namen und auf keine andere Weise vollkommene Vergebung für unsere Sünden erlangen können. Wir verschwiegen nichts und flehten den Vater im Himmel an, dass er uns in seiner unendlichen Barmherzigkeit all unseren Stolz, unsere Übertretungen und Fehler vergeben wolle. Wir baten ihn, barmherzig zu sein, damit wir durch ihn bei dieser neuen Lebensweise bleiben könnten.

Der Herr begann erst dann damit, unseren Charakter durch und durch zu verändern, als wir dies auch zuließen. Es war unsere Entscheidung, den 7. Schritt zu gehen. Wir mussten ganz bewusst demütig werden. Wir mussten all unseren selbstzufriedenen Stolz aufgeben und zugeben, dass unsere Bemühungen, uns selbst zu erretten, unzureichend gewesen waren. Wir mussten die Wahrheit, die König Benjamin lehrte, am eigenen Leib zu spüren bekommen: dass wir vor Gott alle Bettler sind und nicht darauf hoffen dürfen, durch unsere eigenen Anstrengungen erlöst zu werden, sondern nur durch die Barmherzigkeit und Gnade Jesu Christi (siehe Mosia 2:21; 4:19,20).

Beim 7. Schritt kam für jeden von uns der Moment, als wir uns endlich ohne Vorbehalt der ewigen Wahrheit fügten, die in Mosia 16:4 steht: „So war die ganze Menschheit verloren; und siehe, sie wäre endlos verloren, wenn Gott nicht sein Volk aus ihrem verlorenen und gefallenen Zustand erlöst hätte.“ Wir erkannten, dass es uns nicht abgenommen wurde, unsern Teil zu tun, nur weil wir den 7. Schritt gingen. Wir mussten immer noch geduldig sein und „mit Beständigkeit in Christus vorwärtsstreben“ (2 Nephi 31:20).

Unsere Neigung zu sündigen wurde nicht gänzlich von uns genommen. Wir mussten lernen, das Leben nach Gottes Bedingungen zu akzeptieren und abzuwarten, bis er die Zeit gekommen sah, seine Absichten für uns zu erfüllen. Das galt sogar für unsere Bitte, unsere Verfehlungen und Unzulänglichkeiten von uns zu nehmen. Beim 7. Schritt lernten wir, genauso demütig und geduldig gegenüber Gott zu sein wie Alma und seine Brüder, als ihnen ihre Last zwar leicht gemacht, aber noch nicht genommen wurde: „Sie unterwarfen sich frohgemut und mit Geduld in allem dem Willen des Herrn.“ (Mosia 24:15.) Schließlich gaben wir die Vorstellung auf, aus eigener Kraft vollkommen werden zu können, und akzeptierten die Tatsache, dass Gott möchte, dass wir in diesem Leben unsere Schwächen überwinden, indem wir zu Christus kommen und in ihm vollkommen werden. Wir stellten fest, dass wir durch seine Gnade befähigt wurden, auf alles zu verzichten, was ungöttlich ist, und zu erkennen, dass wir nicht durch unsere eigene, sondern durch seine Macht Errettung erlangen (siehe Moroni 10:32).

Zu jedem Schritt gehört jedoch auch eine Warnung, und der 7. Schritt ist da keine Ausnahme. Wir, die wir diese Grundsätze angenommen haben, müssen Sie warnen: Sie können diesen Schritt nicht gehen, ohne Opfer zu bringen, und das ist auch gut so. In Lehre und Bündnisse 59:8 gebietet der Herr: „Du sollst dem Herrn, deinem Gott, in Rechtschaffenheit ein Opfer darbringen, nämlich das eines reuigen Herzens und eines zerknirschten Geistes.“ Dieses Opfer ist das, was den 7. Schritt ausmacht. Auch wenn Ihre geistige Neugeburt schmerzvoll ist, denken Sie daran, dass das Leiden des Herrn, und nicht etwa Ihr eigenes, Sie von Ihren Sünden erlöst. Ihr Opfer ist nur ein schwacher Abglanz seines „großen und letzten Opfers“, das für Sie dargebracht wurde (siehe Alma 34:14).

Wenn Sie alles in Gottes Hände gelegt haben, dann haben Sie endlich alles getan, was in Ihrer Macht steht; nun kann er Ihnen unmissverständlich bezeugen, dass Ihre Sünden vergeben sind und Ihre Vergangenheit wahrhaftig hinter Ihnen liegt. Wie die Menschen im Buch Mormon, die sich bekehrt haben, können Sie bezeugen, dass Sie „von der Macht und dem Geist Gottes besucht worden“ sind (3 Nephi 7:21). Wie Alma können Sie ausrufen: „Ich [konnte] nicht mehr an meine Qualen denken; ja, ich wurde durch die Erinnerung an meine Sünden nicht mehr gemartert. Und o welche Freude, und welch wunderbares Licht sah ich; ja, meine Seele war von Freude erfüllt, die ebenso übergroß war wie meine Qual!“ (Alma 36:19,20).

 


Umsetzung

Trachten Sie danach, dass die Macht des Sühnopfers in Ihrem Leben wirksam wird, indem Sie sich gedanklich intensiv mit den Abendmahlsgebeten befassen.

Eine Möglichkeit, sich gedanklich intensiv mit etwas zu befassen, besteht darin, an einen Vers oder eine Aussage aus den heiligen Schriften zu denken, während Sie darum beten, zu verstehen, was die Worte bedeuten und wie Sie sie anwenden können. Da ja jeder von uns den Bund eingehen muss, der in den Abendmahlsgebeten wiedergegeben wird, ist es hilfreich, wenn Sie diese gedanklich auf sich wirken lassen.

Wenn Sie die heiligen Schriften in Ihrem Leben anwenden und damit das tun, wozu die Propheten uns auffordern, können Sie die heiligen Worte in Moroni 4:3 und 5:2 lesen und demütig darüber nachdenken, während Sie sie selbst nachsprechen, beispielsweise so: „O Gott, ewiger Vater, [ich bitte] dich im Namen deines Sohnes, Jesus Christus, segne und heilige dieses Brot für [meine Seele], die davon [nimmt] … und seine Gebote, die er [mir] gegeben hat, zu halten, damit sein Geist immer mit [mir] sei.“

 

Beten Sie demütig darum, dass Gott für Sie das tut, was Sie nicht für sich selbst tun können

Wenn Sie ein einfaches Gebet im Herzen tragen, beispielsweise „Herr, was soll ich tun?“ oder „Dein Wille geschehe“, so wird Sie dies immer daran erinnern, wie abhängig Sie vom Herrn sind. Die Liebe Gottes – die seine für Sie und die Ihre für ihn – wird Ihnen helfen, eine Beziehung aufzubauen, der Sie sich ohne Vorbehalte hingeben können. Es war diese Liebe, nach der Sie sich all die Jahre gesehnt haben, während Sie in Ihrer Sucht gefangen waren. Beim 7. Schritt können Sie herausfinden, wie Sie Frieden erlangen, indem Sie in die „Ruhe des Herrn“ eingehen (Moroni 7:3; siehe auch Alma 58:11; Ezra Taft Benson, „Jesus Christus – Geschenke und Erwartungen“, Der Stern, Dezember 1987, Seite 3).

 


Studieren und Verstehen

Die folgenden Schriftstellen und Aussagen von Führern der Kirche können Ihnen beim 7. Schritt helfen. Denken Sie über diese Schriftstellen und Fragen nach, befassen Sie sich damit und halten Sie Ihre Gedanken dazu schriftlich fest. Seien Sie beim Schreiben ehrlich und konkret.

 

Sich entscheiden, demütig zu sein

„Und nun, wenn ich euch gesagt habe, ihr seiet gesegnet, weil ihr gezwungen seid, demütig zu sein – meint ihr dann nicht, dass diejenigen noch mehr gesegnet sind, die sich um des Wortes willen wahrhaft demütigen?“ (Alma 32:14.)

  • Die meisten von uns waren verzweifelt, als wir zu den Treffen für Suchtkranke kamen, getrieben von den Folgen unserer Sucht. Wir waren gezwungen, demütig zu sein. Die Demut, wie sie im 7. Schritt beschrieben wird, entspringt jedoch einer anderen Quelle. Man entwickelt sie aus freien Stücken. Sie ist das Ergebnis Ihrer eigenen Entscheidung, demütig sein zu wollen. Inwiefern hat sich etwas an Ihrer Demut verändert, seit Sie an Ihrer Genesung arbeiten?

 

Von Freude erfüllt

„Und sie hatten sich selbst in ihrem eigenen fleischlichen Zustand gesehen, geringer als selbst der Staub der Erde. Und sie alle riefen laut mit einer Stimme, nämlich: O sei barmherzig, und wende das sühnende Blut Christi an, damit wir Vergebung empfangen für unsere Sünden und damit uns das Herz rein gemacht werde; denn wir glauben an Jesus Christus, den Sohn Gottes, der Himmel und Erde und alles erschaffen hat und der unter die Menschenkinder herabkommen wird.

Und es begab sich: Nachdem sie diese Worte gesprochen hatten, kam der Geist des Herrn über sie, und sie wurden von Freude erfüllt und empfingen Vergebung für ihre Sünden und hatten Frieden im Gewissen wegen des überaus großen Glaubens, den sie an Jesus Christus hatten, der da kommen würde.“ (Mosia 4:2,3.)

  • König Benjamins Volk betete so, wie wir beim 7. Schritt beten. Sie empfanden Frieden und Freude, als der Geist des Herrn über sie kam und sie Vergebung ihrer Sünden erlangten. Denken Sie über Erlebnisse nach, bei denen Sie schon einmal so empfunden haben. Schreiben Sie auf, wie es wohl wäre, wenn diese Gefühle zu Ihrer neuen Lebensweise dazugehörten.

 

Der Glaube an Gott

„Glaubt an Gott; glaubt daran, dass er ist und dass er alles erschaffen hat, sowohl im Himmel wie auf Erden; glaubt daran, dass er alle Weisheit und alle Macht hat, sowohl im Himmel wie auf Erden; glaubt daran, dass der Mensch nicht alles erfasst, was der Herr erfassen kann.

Und weiter, glaubt daran, dass ihr von euren Sünden umkehren und von ihnen lassen und euch vor Gott demütigen müsst; und bittet mit aufrichtigem Herzen, er möge euch vergeben; und nun, wenn ihr an dies alles glaubt, so seht zu, dass ihr es tut.

Und weiter sage ich euch, wie ich zuvor gesagt habe, wenn ihr zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes gekommen seid oder wenn ihr seine Güte erkannt und von seiner Liebe gekostet habt und Vergebung für eure Sünden empfangen habt, wodurch so überaus große Freude in eurer Seele entsteht, ja, so möchte ich, dass ihr an die Größe Gottes und an eure eigene Nichtigkeit und an seine Güte und Langmut gegenüber euch unwürdigen Geschöpfen denkt und dies immer im Gedächtnis bewahrt und euch bis in die Tiefen der Demut demütigt, den Namen des Herrn täglich anruft und standhaft dasteht im Glauben an das, was kommen wird, wovon durch den Mund des Engels gesprochen worden ist.

… Wenn ihr dies tut, werdet ihr euch immer freuen und von Gottesliebe erfüllt sein und euch immer Vergebung für eure Sünden bewahren; und ihr werdet an Erkenntnis der Herrlichkeit dessen zunehmen, der euch erschaffen hat, oder an Erkenntnis dessen, was gerecht und wahr ist.“ (Mosia 4:9-12).

  • Schreiben Sie gebeterfüllt alles auf, was wir laut König Benjamin tun müssen. Was haben diese Verhaltensweisen mit dem 7. Schritt zu tun?

  • Was ist uns verheißen, wenn wir tun, was König Benjamin lehrte? (Siehe letzter Vers.)

  • Was würde sich in Ihrem Leben verändern, wenn sich diese Verheißungen für Sie erfüllten?

 

Das Gesetz und die Gebote befolgen

„Denn zu diesem Zweck ist das Gesetz gegeben worden; darum ist das Gesetz tot geworden für uns, und wir sind wegen unseres Glaubens lebendig gemacht in Christus; dennoch befolgen wir das Gesetz wegen der Gebote.“ (2 Nephi 25:25.)

  • Wir sind „wegen unseres Glaubens lebendig gemacht in Christus“. Was bedeutet es, dass das Gesetz für uns tot ist? Warum befolgen wir weiterhin das Gesetz oder sind den Geboten gehorsam?

  • Was denken Sie heute darüber, das Gesetz zu befolgen?

  • Inwiefern bekunden Sie Ihre Liebe zu Gott, indem Sie die Gebote halten?

 

Die Liebe Gottes

Wenn wir Gott an die erste Stelle setzen, nimmt alles andere seinen rechten Platz ein oder es verschwindet aus unserem Leben. Unsere Gottesliebe ist dann dafür bestimmend, wer oder was unsere Zuneigung, unsere Zeit, unser Interesse beansprucht und was wir an die erste Stelle setzen.“ (Ezra Taft Benson, Der Stern, Juli 1988, Seite 3.)

  • Wahrscheinlich haben Sie bereits Gottesliebe verspürt, für ihn und von ihm, da Sie ja seine Barmherzigkeit und Güte bis hierher schon erfahren durften. Denken Sie darüber nach, wann Sie spürten, dass Ihre Liebe wuchs, als Sie die Schritte durcharbeiteten. Schreiben Sie Ihre Erfahrungen nieder.

  • Inwiefern hat der 7. Schritt bisher am meisten Liebe von Ihnen erfordert?

 

Den Namen Christi auf sich nehmen

„Wer auch immer dies tut, wird zur rechten Hand Gottes gefunden werden, denn er wird den Namen kennen, mit dem er gerufen wird; denn er wird mit dem Namen Christi gerufen werden.“ (Mosia 5:9.)

  • Mit der Formulierung „den Namen Christi auf sich nehmen“ verbinden die meisten von uns die Taufe und das Abendmahl, und das ist richtig. Überlegen Sie einen Augenblick, was es bedeuten könnte, mit dem Namen Christi gerufen zu werden und den gleichen guten Ruf zu haben wie er.

  • Was müssen Sie tun, damit Ihr Platz zur rechten Hand Gottes sein wird? Was versprechen Sie bei der Taufe und wenn Sie vom Abendmahl nehmen?

  • Schreiben Sie auf, was Sie empfinden, wenn Sie daran denken, dass Sie seinen Namen auf sich nehmen und dasselbe Ansehen genießen dürfen wie er, wenn Sie ihm dafür all Ihre Unzulänglichkeiten übergeben.

 

Überlassen Sie ihm Ihre Schwächen

„Eine Religion, die nicht fordert, dass man alles opfert, hat niemals die Kraft, den Glauben hervorzubringen, der zum Leben und zur Errettung führt.“ (Joseph Smith, Lectures on Faith, 1985, Seite 69.)

  • Manche Menschen lesen diese Worte und meinen, „alles“ bedeute allen weltlichen Besitz. Inwiefern verstehen Sie dadurch, dass Sie all Ihre Schwächen dem Herrn überlassen haben, besser, was es bedeutet, alles zu opfern?